Aurikulomedizin nach Nogier und Bahr
Schon vor etwa 2000 Jahren wurden im alten Ägypten bestimmte Areale am Ohr mit Hitze behandelt, um den "Hexenschuß" zu lindern, vielleicht wurde diese Methode der Beeinflussung von Schmerzen auch schon in Persien entdeckt und weiterverbreitet. Auch in Afrika, in Italien und Frankreich wurde über das Ohr auf den Körper und seine Schmerzzonen Einfluß genommen. Sogar Hippokrates beschreibt Techniken am Ohr zur Behandlung z.B.der Impotenz, deren Wirkungsweise ihn erstaunt.
Die Behandlungstechniken bestehen aus der "Kauterisation" (= gezielte punktförmige Hautverbrennung ) an einem definierten Ohrbezirk oder gezielten Schnitt- verletzungen. Auch im 17. und 18. Jahrhundert wurden Areale am Ohr zur Behandlung des Ischiasschmerzes oder von Kopf- und Zahnschmerzen beschrieben. Es finden sich erstaunlich detaillierte Zeichnungen von Hieronymus Bosch oder Valsalva mit vielen technischen Anweisungen.
Aus dem 19. Jahrhundert gibt es ebenfalls Berichte über die Wirkung von Kauterisationen am Ohr aus Italien und Amerika. 1950 entdeckte Dr. Nogier aus Lyon Patienten mit einer seltsamen Narbe an der Ohrmuschel. Er fand heraus, daß diese Patienten bei therapieresistenten Ischiasschmerzen auf der Anthelix des gleichseitigen Ohres "kauterisiert" waren und ihre Beschwerden daraufhin verschwunden waren.
In Unkenntnis der langen Tradition der Ohrkauterisation meinte Nogier etwas "ganz Neues" entdeckt zu haben, recherchierte neugierig und führte selbst Kauterisationen durch. Auch diese waren erfolgreich. Schließlich erprobte er weniger "barbarische" Verfahren, z.B. das Stechen von Nadeln in diesem Ohrbereich. Er konnte meist auch eine deutliche Druckschmerzhaftigkeit dieses Areals feststellen.
How it works
Schließlich stellte Nogier nach vielen Untersuchungen und Versuchen fest, daß jeder Körperregion auch ein bestimmtes Reflexareal am Ohr entspricht, und daß diese wechselseitig beeinflußbar sind. Der Mensch ist am Ohr, einem Embryo in der Gebärmutter gleich, also auf dem Kopf liegend, abgebildet. Nach dieser Entdeckung konnten nun auch andere Schmerzzustände gezielt beeinflußt werden.
Die entsprechenden Punkte wurden zunächst durch Ertasten der Druckschmerzhaftigkeit, durch Wärme- oder Kältereiz gefunden. Die Punktsuche durch Ermitteln von Hautpotentialdifferenzen führte weg von der rein subjektiven Aussage über Druckschmerzhaftigkeit zu objektiveren Parametern. Durch Anwendung des sog. RAC - aus historischen Gründen "Reflex Auriculo Cardiaque" - genannt, konnte die Diagnostik noch erheblich verfeinert werden.
Kontrollierte Akupunktur
Durch die RAC Pulstastung ist es möglich, sich genauestens an den Reflexarealen des Ohres oder auch am Körper zu orientieren und Fehlregulationen frühzeitig zu erkennen.

Was bedeutet "frühzeitig"?

Der Aurikulomediziner erkennt häufig schon energetische Veränderungen bestimmter Körperregionen oder Organe, o h n e daß bereits Veränderungen von EKG, Laborwerten oder Krankheitszeichen auf Röntgenbildern zu erfassen sind. Viele Patienten suchen wie ihr Arzt vergeblich nach einer Ursache für ihre Beschwerden und stellen sich häufig die folgende Frage:

Wo kommt das Symptom her - warum schmerzt es gerade dort?

Nehmen wir als Beispiel die zahlreichen Patienten mit sog. "funktionellen Bauchbeschwerden", es drückt, es kneift, der Stuhl ist zu dünn, zu fest, zu selten ....

Der Akupunkturarzt oder Aurikulomediziner findet heraus, ob die energetische Unterstützung durch Akupunktur, Homöopathie, Phytotherapie oder andere Maßnahmen sich beispielsweise eher auf die Galle, die Leber, die Bauchspeicheldrüse oder den Darm konzentrieren sollte. Denn er findet mittels RAC-Pulstastung das "schwache Glied" in der Funktionskette. Er kann aber auch herausfinden, welche Belastung - Weizen, Milch, Eiweiß oder andere Lebensmittel - genau diese Schwäche provoziert oder unterhält.
Außerdem kann er den Hauptbeschwerdepunkt finden. Es ist oft gar nicht so einfach z.B. bei chronischen Rückenbeschwerden zu wissen, wo denn nun der Hauptverursacher dieser Schmerzen sitzt, im Bereich der Wirbelsäule, den Sakroiliakalgelenken (diese verbinden das Kreuzbein mit dem Becken) oder in Verwachsungen nach Bauchoperationen. Die Pulsdiagnostik kann hier zusätzlich zu anderen Untersuchungsverfahren Klarheit verschaffen.

Störherddiagnostik
Ergänzend findet der Aurkulomediziner meist bei chronischen Störungen Störherde, die selbst keine Beschwerden verursachen, aber im Hintergrund Symptome provozieren, die sich oft an ganz anderer Stelle befinden. So kann ein Zahnherd zu chronischen Schulter- oder Ellenbogenschmerzen führen und alle Therapieversuche vereiteln. Für Interessierte gibt es ein ausführliches Buch zum Thema Störherde von Frau Dr. Beate Strittmatter "Das Störfeld in Diagnostik und Therapie" Hippokrates Verlag, ISBN 3-7773-1274-6.

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